Neue Chefs bei Digitaldruck Kruse

Neue Chefs bei Digitaldruck Kruse
Neue Chefs bei Digitaldruck Kruse

Stralsund
Kein großer Knall, keine riesige Party. Fast still und heimlich haben sich Barbara und Wolfgang Kruse aus dem Arbeitsleben zurück gezogen. Nach über 30 Jahren Digitaldruck Kruse in Stralsund haben die Kruses den Schlüssel übergeben, an Julia Mahler und Clemens Bietz. Doch die neuen Köpfe an der Spitze sind sozusagen alte Hasen.

Vor zehn Jahren hat der 29-jährige Clemens Bietz nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter ein Praktikum in der Firma Kruse absolviert und ist im Anschluss daran eingestiegen. „Und nicht mehr von hier weggekommen“, wie er mit einem Lachen sagt. „Aber das wollte ich auch nicht. Ich habe nie einen Gedanken daran verschwendet, wegzugehen.“ Auch seine Partnerin Julia Mahler ist bereits seit sechs Jahren mit dem Unternehmen verbunden. Während ihres Studiums kam die 30-Jährige für einen Nebenjob zu Kruses, 2016 wurde sie schließlich fest angestellt.

»Wir sind froh, dass wir Nachfolger gefunden haben, die das auch wirklich wollen«, sagt Wolfgang Kruse. Seine Frau Barbara ergänzt: »Wir gehen mit einem guten Gefühl, weil wir wissen, dass Julia Mahler und Clemens Bietz das Unternehmen in unserem Sinne weiterführen.«

Dass die Frage der Unternehmensnachfolge so reibungslos funktioniert wie im Hause Kruse, ist nicht überall so. Im Gegenteil. »Die Altersstruktur der Bevölkerung ist aus meiner Sicht eine der großen Herausforderungen für unsere Region«, sagt Dr. Jürgen Radloff, Chef der Arbeitsagentur. »Wenn ich mir anschaue, wie viele Menschen in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, dann kommt auf zahlreiche Unternehmen ein Problem zu, das wahrscheinlich viele so nicht auf dem Schirm haben.« So ist aktuell bereits ein Viertel aller Beschäftigten in der Region über 55 Jahre alt, sie gehen also in den nächsten zehn Jahren in Rente. An dieser Stelle heißt es, sich rechtzeitig zu kümmern. »Denn schließlich hat die Entscheidung über die Unternehmensnachfolge nicht nur Auswirkungen auf Firmeninhaber, sondern oft hängen auch Arbeitsplätze daran«, sagt Jürgen Radloff.

Für die Beschäftigten bei Digitaldruck Kruse wird sich nicht viel ändern. Ulrike Harschlag und Jana Hasselbach bleiben genauso im Unternehmen wie zwei Aushilfen. Während sich Julia Mahler künftig weiterhin um den Verlag und Kommunikation nach außen kümmern wird, leitet Clemens Bietz die Produktion. »Für uns ist es wichtig, das Schiff erst einmal auf Kurs zu halten«, sagt Julia Mahler. Nun sozusagen am Steuerrad zu stehen, sei keine riesige Umstellung gewesen, sagt Julia Mahler, da sie in den vergangenen Jahren bereits Entscheidungen treffen durfte. Aber ein etwas komisches Gefühl sei es trotz allem gewesen, als die Tür hinter Wolfgang Kruse zufiel und er mit seiner Frau in den Urlaub verschwand. „Die beiden machen zwar einen konsequenten Schnitt, aber wenn wir einen Ratschlag brauchen, können wir uns immer an sie wenden“, sagt Julia Mahler.

»Wir werden weiter nah am Kunden bleiben, denn das können wir gut«, sagt Clemens Bietz. Perspektivisch soll der Verlagsbereich weiter ausgebaut werden. »Natürlich wird es hauptsächlich weiter um regionale Geschichte und Kultur gehen«, erklärt Julia Mahler. »Aber ich kann mir auch vorstellen, das Programm weiter auszubauen.«

An einigen traditionellen Dingen wird das neue Chef-Duo festhalten. »Wir stecken bereits mitten in der Kalenderproduktion für 2020«, erklärt Clemens Bietz, da viele Buchhandlungen bereits nach Ostern gern schon die ersten Kalender für das kommende Jahr im Verkauf haben möchte. Dazu zählt selbstverständlich auch der beliebte Historische Kalender von Andreas Neumerkel.

Auch die »Stralsunder Hefte«, die sich großen Zuspruchs erfreuen, wird es weiterhin geben. »Da sind wir ja bereits im 11. Jahr«, sagt Julia Mahler. «Das ist thematisch überhaupt noch nicht ausgeschöpft, im Gegenteil. Wir überlegen sogar, ob wir das Heft halbjährlich erscheinen lassen wollen.«

In Planung ist außerdem ein neuer Bildband vom Stralsunder Fotografen Harry Hardenberg und ein Buch über Stralsunds älteste Kneipe »Zur Fähre«.

Die beiden haben also einige Pläne für die Zukunft. Und wie sieht es mit Barbara und Wolfgang Kruse aus? »Wir freuen uns einfach darauf, Zeit zu zweit und Reisen und Kultur zu genießen«, sagt Barbara Kruse.

Quelle: Miriam Weber (Ostseezeitung 08.04.2019)

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